27.06.2019

27.06.2019

„SCHLUSS MIT SCHULD“
Lisa Gadenstätter und Elisabeth Gollackner im Gespräch mit Michael Kerbler. Pfarrsaal Zell am See. Beginn: 19.30 Uhr. Eintritt:frei

„Die Jugendlichen stehen am ehemaligen KZ-Gelände, stützen sich gegenseitig, hängen sich in den Armen. Ein paar Mädchen lesen Texte über blutende Babys vor, die in den Staub getreten werden, sie weinen und schreien. Wirken traumatisiert und überfordert. Mir geht es ähnlich. Ich hab die Nase voll. Warum sollte man sich überhaupt mit dieser schrecklichen Zeit beschäftigen? Macht es aus den Kindern bessere Menschen, wenn man sie zum Weinen bringt und ihnen sagt, zu welchen Grausamkeiten andere fähig sind? Ist es das, was wir lernen sollen aus der Geschichte? Dass wir uns gegenseitig nicht trauen können?“ Im Herbst 2017 beginnen die zwei ORF-Journalistinnen Lisa Gadenstätter und Elisabeth Gollackner ihre Arbeit an einer Fernsehdokumentation über Holocaust-Überlebende. Das Projekt wird zur Reise, herausfordernd und emotional, und führt sie in die ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen und Auschwitz, nach Israel und nach Hamburg. Am Ende der Reise steht die fertige Doku, aber auch die Erkenntnis, die sich durch die Gespräche und Erlebnisse langsam verfestigt: Die Antwort auf die Frage, was der Holocaust drei Generationen später noch mit uns zu tun hat. „Schluss mit Schuld“ vereint tagebuchartige Erzählungen der Film-Produktion, historisches Wissen, und die Geschichten und Gespräche der Zeitzeugen. Eine gelungene Verschränkung, die das Buch zu einem außergewöhnlichen Beitrag im Gedenkjahr 2018 macht. Sehr direkt und mit viel Humor behandeln die beiden Frauen ein dunkles Kapitel der Geschichte, ohne jemals respektlos zu werden. Die entwaffnende Offenheit, mit der sie den Entstehungsprozess ihres Films dokumentieren, holt Zeitgeschichte in die Gegenwart, verhandelt sie im Hier und Jetzt. Und ermöglicht so neue Antworten auf die Frage der Schuld und mehr noch die Frage der Verantwortung heutiger Generationen für den Holocaust und die Gräuel der Nazidiktatur.